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Felix Undeutsch über digitale Ungeduld und Expedia’s MICE-Tool MeetingMarket

By Grischa

Unsere Gesellschaft hat sich zur Ungeduld erzogen. Neue Businessmodelle folgen diesem Trend.

Alles muss sofort verfügbar sein. Egal ob die Lieblingssendung auf Netflix, das Paket von Zalando oder die Informationen im Internet. Diese Entwicklung macht auch vor dem MICE- Bereich (Meetings, Incentives, Congress & Events) nicht halt.

„Instant“, nennt Expedia das und bringt mit MeetingMarket ein Tool auf den Markt, was es ermöglicht, eine Veranstaltung auf Knopfdruck und in Echtzeit zu buchen.

Felix Undeutsch, Head of MICE & Groups bei Expedia erklärt das.

Felix, danke für deine Zeit.

Wie kam es zu MeetingMarket?

Man kann bei uns Flüge oder Hotels buchen, man kennt Egencia und unsere langjährige Erfahrung im Corporate aber auch Leisure Markt.

Uns drängte sich einfach die Frage auf, wie man diese Expertise und vorhandene Daten nutzen kann, um auch im MICE Bereich aktiv zu werden.

Bei der Analyse des Marktes wurden die Bedürfnisse dann ziemlich schnell klar. Bis dato wurde viel manuell gemacht. In den letzten Jahren hat in dem Bereich kaum eine Entwicklung stattgefunden. Offline, viel übers Telefon oder Mail. Nichts was in wenigen Sekunden eine Anfrage hätte bedienen können.

Um das zu ändern, mussten Preise und Kapazitäten in Echtzeit verfügbar gemacht und die Möglichkeit für den Kunden geschaffen werden, diese Verfügbarkeiten, egal ob Zimmer oder Tagungsraum mit speziellen Anforderungen, auch direkt zu buchen. Ein riesiger Informationsvorsprung.

Felix Undeutsch_Expedia
Felix Undeutsch, Head of MICE & Groups, Expedia

Das kann tricky sein, denn Überbuchungen, Optionen, Überschneidungen u.v.w. Faktoren müssen berücksichtigt werden. Was gibt es für Herausforderungen in der Startphase von MeetingMarket?

Wir haben heute schon mehrere hundert Buchungen pro Monat und akquirieren derzeit weitere Quellen.

Kunden von Meetago, die seit Mai auf uns zugreifen, können z.B. entscheiden, ob sie anfragen oder direkt buchen möchten. Wir haben mehr als 20 Agenturen und große strategische Einkäufer, die uns in Deutschland nutzen.

Also, Echtzeit funktioniert schon, aber es ist nicht für alle Segmente gleich sinnvoll.

Eine 100.000€ Instant- Buchung ist unwahrscheinlich. Aber die Buchung für 30 Personen, und 70% der MICE Buchungen in Deutschland sehen so aus, läuft wunderbar über das Tool.

Wenn das so ist, siehst du MeetingMarket denn als langfristige Lösung?

Grundsätzlich ist ein Trend zu beobachten. Wir stellen fest, dass Buchungsfenster immer kürzer werden. Vor ein paar Jahren waren es noch Monate, jetzt reden wir über ein paar Tage.

Sascha Lobo hat neulich auf der MEXCON in Berlin die Begriffe „Digitale Ungeduld“ und „Sofortness“ verwendet, um zu beschreiben, dass Menschen immer schneller an Informationen kommen wollen und keine Geduld mehr haben abzuwarten.

Das Thema „Instant“ (Echtzeit) durchdringt alle Branchen und das ist im MICE Bereich ähnlich. Die Leute haben einfach keine Zeit mehr dazu tagelang auf ihr Angebot zu warten.

Du musst berücksichtigen, dass die Entwicklung des MeetingMarkets auch eine fortlaufende ist. Das Tool lebt von denen, die es täglich nutzen. Und das sind diejenigen, die entweder Veranstaltungen über das Portal verkaufen oder buchen.

Echtzeit kommt, das ist klar. Ob die Lösung, die wir jetzt am Start haben noch die ist, die in 2 Jahren aktuell ist, werden wir sehen.

Wir releasen wöchentlich eine neue Version unseres Tools, ob das eine kleine Farbanpassung eines Buttons ist oder optimierte Ladezeiten der Ergebnisliste.

Welche Player sind in dem Segment sonst noch mit dabei?

Wir unterteilen den Markt in 3-4 Bereiche:

  • Listing- Portale, wo du als Unternehmen mit deinem Profil (Telefonnummern, Bildern und Ansprechpartnern) gelistet bist.
  • Anfrageportale, wo du strukturierte Anfragen an verschiedene Marktteilnehmer senden kannst (z.B. Meetago, MeetingmastersMICE Portal)
  • Das Echtzeitsegment, wo du eine Live- Abfrage von Preisen und Verfügbarkeiten starten kannst
    • mit manuellem Pflegeaufwand für die Locations und Hotels (z.B. OkandaBook2meetMeetingrooms)
    • vollautomatisch, weil an das Property Management System der Location angedockt (MeetingMarket)

Wir sind mit Expedia meines Wissens die einzigen Anbieter, die diese vollautomatische Variante, inkl. Zimmer, anbieten können.

Das liegt u.a. daran, dass wir über die Jahre die verschiedenen Connectivities zu den Property Management Systemen und Channelmanagern der Hotels aufbauen konnten. Das beinhaltet die Sales&Catering Programme ebenso wie natürlich den Zimmerbereich.

Wie sind die Kosten und hast du Bedenken, dass eine Diskussion über die Abhängigkeit von Buchungs-Portalen aufkommt?

Wir werden mit MeetingMarket die Möglichkeit bieten, den indirekten aber auch den direkten Buchungsweg zu unterstützen.

Hotels haben z.B. die Möglichkeit die Buchungsmaschine auf ihrer eigenen Website einzubinden. Aktuell arbeiten wir mit einigen Partnern, die dies schon testen und ihren Direktvertrieb stärken.

Ende Juli wird MeetingMarket dann wahrscheinlich als Direktbuchungstool für alle Hotels erhältlich sein.

Jedes Hotel kann sich aber natürlich auch in das Portal einbinden lassen und so von der Distributionskraft von Expedia profitieren. Die Kommission, die wir dafür in Rechnung stellen, ist marktüblich.

Ich bin der Meinung, dass man sich beim Thema Distribution möglichst breit aufstellen sollte. Die direkte Distribution schließt für mich eine indirekte nicht aus und umgekehrt.

Direktvertrieb ist nicht der heilige Gral und keinesfalls „umsonst“, auch „direktes Geschäft“ kostet.

Gibt es Leute, die an eurem Produkt herummäkeln?

Die HSMA hat hierzu kürzlich eine Umfrage gemacht. Es waren kaum negative Kommentare dabei.

Wir haben zwar funktionale Diskussionen darüber, was das Produkt können muss. Also z.B. Brutto- anstatt Nettopreise zzgl. Mehrwertsteuer darstellen oder die Möglichkeit Gruppenübernachtungen auch ohne Zimmer zu buchen usw.

Aber keiner sagt, dass Instant Book als Thema Quatsch ist. Das merkt man auch auf den großen Konferenzen.

Die Frage ist also nicht, ob Instant Book kommt, sondern wann es sich durchsetzen wird und in der breiten Masse ankommt.

Wenn du mit einem Deutschen über das Thema spricht, herrscht oftmals 5 Minuten Stirnrunzeln . Die Amerikaner oder auch andere Nationen, stehen dem Thema viel aufgeschlossener gegenüber.

Kannst du einen Blick hinter die Kulissen von Meeting Market gewähren?

Dazu muss ich ein bisschen ausholen, um dir auch meine Rolle dort zu erklären.

Ursprünglich studiert habe ich Internationales Kulturmanagement, was die Schwerpunkte Veranstaltungs- und Eventmanagement einschloss. In diesem Bereich habe ich auch mehrere Jahr gearbeitet.

Parallel habe ich aber schon als Teenager LAN- Parties in meiner Heimatstadt Dresden organisiert. Die größte, die wir mal gemacht haben, hatte 1200 Teilnehmer.

Aus der Zeit bringe ich Programmier- Kenntnisse mit und habe auch nach dem Studium in der Techwelt gearbeitet.

Bei Expedia habe ich 2011 im SEO Bereich angefangen, mein technischer Background war hier entscheidend.

Seit 2014 bin ich bei Expedia im MICE Bereich tätig und kann hier beide Bereiche perfekt kombinieren: Mein Veranstaltungs-KnowHow als auch meinen Techbackground.

Dass ich die Sprache von Entwicklern auf der einen und Hotels /Agenturen auf der anderen Seite spreche, erleichtert mir meinen Job.

Grundsätzlich gibt es bei Meeting Market das Supply-, Demand und Product- Team.

Im Supply- Team kümmern sich die Kollegen um das Onboarding, das Listing der Hotels. Hier braucht man einen Hotel- oder betriebswirtschaftlichen Background.

Beim Demand Team geht es grob gesagt darum, dass Besucher auf unsere Seite kommen und auch buchen. Die Kollegen dort haben meist einen BWL-, Sales-, oder Agentur- Background.

Im dritten, dem Produktbereich, werden Demand und Supply zusammengefügt. Hier arbeitet das Team interdisziplinär von Entwicklern, über Designer hin zu Testern usw.

Welche Themen beschäftigen euch derzeit noch und welche Trends schwappen aus den Staaten herüber?

Echtzeit wird massiv vorangetrieben, auch von anderen größeren Playern im Tourismusbereich.

Ein anderes Thema ist „ungebundenes Einkaufen“ :

In Unternehmen wurden bisher Buchungswege für Mitarbeiter vorgegeben. Du bekamst als Geschäftsreisender einer großen Company nur deine Auslagen erstattet, wenn du z.B. über Egencia oder eine andere TMC gebucht hast.

Was momentan passiert ist, dass dieses „Regelwerk“ durch die junge Generation aufgeweicht wird. Junge Leute buchen über ihr Smartphone dort, wo sie es auch im privaten Bereich machen würden. Zum Beispiel bei Expedia oder Airbnb oder wo auch immer.

Dieses Verhalten der Buchenden stellt Unternehmen vor die Herausforderung, dass Buchungsdaten etc. nicht mehr einfach konsolidiert werden können.

Das heißt in Zukunft wird die Vorgabe der Unternehmen eher sein: Du kannst buchen wo du willst, solange die Daten letztendlich in unser Abrechnungssystem einlaufen und solange die Reiserichtlinien eingehalten werden.

Im Zuge dieses neuen Verhaltens, glaube ich, wird sich der Markt massiv öffnen.

Der Anbieter, der die beste User Experience bietet, die meisten User bindet,  und gewährleisten kann, dass die Daten ins System des Unternehmens einfließen, wird vorne liegen. Das wird die ganze Einkaufswelt in der Reisebranche auf den Kopf stellen.

Gibt es etwas, was dich an der Branche nervt?

Mich nervt die Zurückgewandtheit, immer nur bewahren und alles abchecken zu wollen, anstatt auch mal Dinge auszuprobieren.

Vieles in Deutschland muss erst ein halbes Jahr diskutiert werden, um dann zu überlegen, ob man mit einem neuen Projekt starten will.

In den USA wird, auch wenn es erst einmal nur im Kleinen ist, losgelegt. Da wird der Weg über trial and error gesucht.

Und was findest du gut an deinem Job?

In meinem Job kann ich eigentlich machen, was ich will, so lange ich mich in meinem Rahmen bewege.

Wann ich morgens ins Büro komme, ist egal. Wenn ich abends gehe genauso. Und wenn ich mal einen Tag von zu Hause aus arbeiten will, dann mache ich das eben.

Ich kann meinen Tag so gestalten, wie es aus meiner Sicht Sinn macht. Wichtig ist, dass Ziele erreicht werden.

Ich finde gut, dass mir nicht ständig jemand vorschreibt, was ich wie zu machen habe. Ich genieße diese Freiheit, ohne sie auszunutzen.

Felix, viel Erfolg weiterhin beim Launch von MeetingMarket und alles Gute für dich.

Credits: Foto mit freundlicher Genehmigung von Expedia.


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