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Karrierewege und Erwartungen an die Hotellerie. Über Claudia, Studentin an der Wihoga.

By Grischa

Was sind die Erwartungen der jungen Generation an die Hotellerie? Viel wird drüber geschrieben, viel diskutiert.

Um mir ein reelles Bild zu machen, habe ich 3 Studenten der Wihoga dazu und zu ihrem Werdegang bzw. ihren Zukunftsplänen gefragt.

Claudia König, erzählt aus ihrer Zeit als Köchin und im Service. Wie hart der Arbeitsalltag dort aussehen kann und wie schlecht einige Betriebe zahlen, hat sie live miterlebt.

Claudia, danke für deine Bereitschaft bei diesem Interview mitzumachen.

Warum studierst du an der Wihoga?

Ich habe Köchin gelernt, was mir auch sehr viel Spaß gemacht hat. Ich habe dann mit der Saisonarbeit angefangen und in Deutschland, Österreich und in der Schweiz gearbeitet.

Nach 9 Jahren in der Küche als auch im Service wollte ich mich dann weiterentwickeln. Ich wollte in eine Führungsposition und habe mich umgeschaut, wo man sich weiterbilden kann.

Herauskristallisiert haben sich 3 Hotelfachschulen: Heidelberg, Hamburg und Dortmund.

Hier hat mich angesprochen, dass der Bachelor und zusätzliche Kurse z.B. Catering oder auch Tourismus angeboten wurden.

Ich bin jetzt im ersten von 4 Semestern.

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Thai Becker, Claudia König, Patrick Endres (v.l.)

Was willst du im Anschluss an dein Studium machen?

Ich will in die Richtung Personal, HR Management. Ich arbeite gern mit Menschen, führe gern, trage auch gern Verantwortung.

Wie sieht der Alltag in der Wihoga aus?

Ich wohne hier im Studentenwohnheim. Es ist ziemlich familiär. Wir sind nur 300 Schüler und ca 60 davon sind im Wohnheim.

Mir gefällt, dass man sich hier kennt und man jederzeit, egal ob zu den Mitstudenten oder zu den Lehrern hingehen kann und fragen kann, wenn man das möchte.

Was braucht man eigentlich für eine Qualifikation, um den Betriebswirt hier zu machen?

Man braucht den mittleren Schulabschluss plus eine Ausbildung oder 5 Jahre Berufserfahrung, um sich an der Wihoga für den staatlich geprüften Betriebswirt anzumelden.

Die Kosten für das Studium sind überschaubar. Wir zahlen rund 4500€ plus Wohnung natürlich.

Wie viele Betriebswirte seid ihr an der Schule?

Im vorigen Semester waren es noch 2 Klassen à ca 20 Schüler. Unser Erstsemester besteht nun nur noch aus 24 Schülern insgesamt. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass wir im Sommersemester angefangen haben.

Ich denke, dass die rückläufigen Studentenzahlen auch damit zu tun haben, dass die Hotellerie und Gastronomie schlecht geredet wird.

In der Diskussion über die Branche wird oft der Fokus darauf gelegt, dass man Sonn- und Feiertags arbeiten muss, die Bezahlung schlecht ist, usw.

Und vieles davon stimmt ja auch. Ich weiß aus meiner Erfahrung, dass viele Lehrlinge in ihrer Ausbildung ausgenutzt wurden. Die gehen dann in eine andere Sparte, wenn sie die Lehre abgeschlossen haben.

Du hast ja lange in der Branche gearbeitet. Wie waren denn deine Erfahrungen? Kannst du die Vorurteile bestätigen.

Ja, kann ich. In Österreich und der Schweiz habe ich zwar gut verdient aber wenn ich überlege, dass ich täglich zwischen 12-17 Stunden gearbeitet habe (da ist die Pause vom Teildienst noch nicht hineingerechnet), entspricht das nicht den gesetzlichen Anforderungen ganz abgesehen davon, dass dein Privatleben auf der Strecke bleibt.

Das ist in Deutschland oft auch so. Nur verdienst du da weniger.

Netto habe ich in Deutschland als Köchin mit 6 Arbeitstagen 750 € verdient. In der Schweiz waren das bei 5 Arbeitstagen/ Woche 3000 € netto. Und von dem Geld musste ich noch das Essen im Betrieb bezahlen.

Das ist unglaublich. Was waren das für Betriebe?

In beiden Fällen, also in Deutschland und der Schweiz waren das familiengeführte Hotels.

Und dann ist es ja auch oft so, dass du als Mitarbeiter sagst, „ich bleibe noch eine Stunde“, um die anderen nicht mit der Arbeit im Stich zu lassen, du aber nie eine Dankeschön dafür bekommst.

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Claudia König

Wie planst du jetzt weiter zu machen? 

Ich will nochmal in die Schweiz zu Migros. Die sind mitarbeiterfreundlich. Eine Freundin von mir hat da gearbeitet und gesagt, dass du da deine 6-8 Stunden arbeitest und immer deine 2 Tage frei hast.

Bei Migros will ich dann, so wie ich das vorhin erzählt habe, möglichst im Personalbereich einsteigen.

Das ist zumindest der Plan und ich finde, man muss Ziele haben, um auch daran arbeiten zu können. Wie es dann letztendlich kommt, weiß man sowieso nie genau.

Ich will auf jeden Fall die Zeit hier in der Wihoga nutzen, um mich bestmöglich darauf vorzubereiten. Und das ist gar nicht so entspannt, wie ich mir das ursprünglich vorgestellt habe.

Was ich hier anstrengend finde ist, dass du „nach Hause“ kommst, dann aber nicht abschalten kannst, so wie du es vom Job gewohnt bist. Hier kommen Hausaufgaben dazu, die du Abends erledigen musst, du musst lernen, wiederholen, usw.

Ich will gute Noten bekommen, zahle ja auch dafür, dass ich hier bin und will auch das Maximum herausholen. Dazu gehört auch, dass ich das Coaching und die Kurse in Catering- und Tourismusmanagement mitmachen werde.

Stell dir dein Hotel in ein paar Jahren vor. Du bist Personalchefin. Wie würdest du Mitarbeiter rekrutieren?

Gute Arbeitsbedingungen bieten.

Zum Beispiel nicht so mit Urlaub umgehen, wie ich das erlebt habe. Wochenlang fragst du danach, wann du deinen Urlaub planen darfst und dann kommt plötzlich der Chef um die Ecke und verordnet dir ab dem nächsten Tag eine Woche Zwangsurlaub.

Die Mitarbeiter müssen ihr Privatleben planen können und die Löhne müssen stimmen.

Ich würde z.B. mit Gewinnbeteiligungen arbeiten. Je besser jemand den Job macht, desto eher hätte er die Möglichkeit sich Prämien dazu zu verdienen.

Dann muss die Atmosphäre in einem Betrieb stimmen. Man muss füreinander da sein und ein offenes Ohr füreinander haben. Es darf einem nicht gleich der Kopf abgerissen werden, wenn man einmal eine halbe Stunde später zur Arbeit kommt oder man muss auch mal sein Kind mit zur Arbeit bringen dürfen, wenn es nicht anders geht.

Wie wichtig ist dir ein Job generell?

Bis vor ein paar Jahren war mein Job mein Leben. Ich habe immer viel und gern gearbeitet.

Jetzt arbeite ich lieber 3 Stunden weniger am Tag und habe dafür lieber etwas mehr Freizeit. Wenn es dann mal 10 Stunden am Tag werden, habe ich damit auch kein Problem. Aber es darf nicht zur Regel werden.

Liebe Claudia, vielen Dank für das Gespräch und dir alles Gute für die Zukunft.

Credits: Fotos und Video von Grischa Puls / hotelneudenken.com

Lese auch die Geschichte von Patrick, Claudia’s Mitstudent oder finde mehr heraus über die Pläne von Harald Becker, dem Schulleiter der Wihoga.


Tags

arbeiten in der Schweiz/ Österreich, Arbeitsbedingungen, Claudia König, Gehalt, Karriereplanung, Köchin, Migros, Studenten, Wihoga


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